

Landwirt Ingfried Kurz suchte nach einer Alternative zu Rindern und Milchvieh. In der afrikanischen Savanne wurde er fündig: Er gründete die erste Straußenfarm im Schwarzwald.
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Manch einer, der mit der Bahn von Blumberg nach Rottweil fährt, auf der rechten Seite sitzt und aus dem Fenster guckt, mag sich kurz hinter dem Bahnhof Zollhaus-Blumberg verwundert die Augen reiben. Waren es wirklich Straußen, an denen die Bahn gerade vorbeigerauscht ist? Grasende Riesenvögel statt grasender Kühe? Tatsächlich, denn direkt an die Gleise grenzen die Gehege der Straußenfarm Steppacher Hof.
Ingfried Kurz hat die Straußen in den südlichen Schwarzwald geholt. Und obwohl sie eigentlich in der afrikanischen Savanne heimisch sind, scheinen sie sich hier wohl zu fühlen. Kälte mache ihnen nichts aus, sagt der Farmer, nur starker Wind störe sie. Es sei wichtig, dass sie sich bei Niederschlag unterstellen könnten, wie auf dem Steppacher Hof.
Die rund 100 Tiere sind über mehrere Gehege verteilt, zwei Meter hoher Maschendrahtzaun trennt sie voneinander. Nähert sich ein Besucher dem Zaun, kommen die Tiere anstolziert. Sie gelten als neugierig, und so wirken sie auch: Sie strecken ihre dünnen, langen Hälse, gucken mit großen Augen und dichten Wimpern, als inspizierten sie jeden Besucher ganz genau. Vor allem die männlichen Zuchttiere fühlen sich dabei schnell provoziert. Wenn sie die Flügel- und Schwanzfedern aufstellen und fauchen, gilt es Abstand zu halten – ein Tritt kann tödlich sein. Sie haben so viel Kraft in den Beinen, dass sie bis zu 70 km/h schnell laufen können.
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Die 15 Zuchttiere, die für Nachkommen sorgen, fallen sofort auf. Sie sind größer als die anderen Tiere, ihr Gefieder ist glänzender und voller. Besonders die männlichen Tiere, Hähne genannt, beeindrucken: Sie tragen die begehrten weißen Flügelfedern. Die Hähne werden bis zu 2,50 Meter groß und 135 Kilo schwer. Ihre Schnäbel und die Vorderseite der Beine schimmern rosa. Die weiblichen Zuchtvögel legen jeden zweiten Tag ein Ei. Die Eier, jeweils 1,5 Kilo schwer, verschwinden im Brutschrank, bis nach sechs Wochen die Küken schlüpfen.
Die Straußen, die nicht für die Zucht geeignet sind, werden geschlachtet. Meist sind sie dann 12 bis 14 Monate alt. Straußenfleisch schmeckt ähnlich wie Rind und erinnert an Wild. „Gleichzeitig hat es die Vorteile von Geflügel: fett- und cholesterinarm“, erklärt Ingfried Kurz. Im Hofladen verkauft er neben Steaks und Filets unter anderem auch Schinken, Salami und Leberwurst. Ein Kilo Steak zum Beispiel kostet 22 Euro. Außerdem ist in dem Laden alles erhältlich, was sich aus Straußen herstellen lässt: Staubwedel aus den Federn, Lampen aus den Eiern und Taschen aus der Haut.
Die Tiere zu halten, ist nicht sehr aufwändig. Zwei Mal am Tag füttert Ingfried Kurz sie mit einer Mischung aus Weizen, Hafer, Gerste und Hülsenfrüchten. Die Mischung fertigt er selbst er. Ansonsten fressen sie Gras. Hat er sie gefüttert, gibt es in der Regel nicht mehr viel zu tun. „Da sie nicht domestiziert sind, sind sie pflegeleicht und unempfindlich.“
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Der vierfache Vater hat daher genügend Zeit, seinem Beruf als Vermögensberater nachzugehen. Seine Eltern, die heute noch mithelfen, hielten auf dem Hof ehemals Rinder und Milchvieh. Das war deutlich zeitintensiver. „Ich wollte es anders machen als meine Eltern und suchte nach einer Alternative.“ Eine Fernsehreportage über eine Straußenfarm in Deutschland habe ihn schließlich auf die Idee gebracht. 1994 kaufte er die ersten vier Zuchttiere.
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Doch er hat Hoffeste gefeiert, mit Metzgern und Restaurantbesitzer in der Umgebung gesprochen und mit der Zeit immer mehr Kunden gewonnen. Heute stehen die zwei Meter großen Laufvögel in der hügeligen Landschaft des Steppachtals, als gehörten sie ganz selbstverständlich hierher. Den Schwarzwald erkennt man eben nicht mehr daran, welche Tiere auf seinen Wiesen grasen – den Schwarzwald erkennt man am Wasser.